{"id":22,"date":"2011-06-10T09:23:15","date_gmt":"2011-06-10T09:23:15","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.wegeinsnetz2006.de\/?p=22"},"modified":"2011-06-10T09:23:15","modified_gmt":"2011-06-10T09:23:15","slug":"Faustomachie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rudolf-stirn.de\/index.php\/Faustomachie\/","title":{"rendered":"Rezension Faustomachie"},"content":{"rendered":"<p><!--more-->Sehr geehrter Herr Stirn,<\/p>\n<p>ich bedanke mich sehr herzlich f\u00fcr das von Ihnen zugesandte Exemplar der  &#8222;Faustomachie&#8220;. Ich habe es mit Interesse, teilweise sogar Spannung  gelesen. Leider mu\u00df ich sagen, da\u00df mich das Studium sehr gefordert, so  da\u00df ich mich nur selten und dann auch nicht sehr konzentriert  nicht-fachlicher Lekt\u00fcre widmen konnte. Insoweit ist das Bild, das ich  von Ihrem Werk habe, ein vorl\u00e4ufiges. Sicherlich wird sich das ein oder  andere mir bei einer weiteren Lekt\u00fcre erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Sie haben eine Stellungnahme erbeten. Wegen der angesprochenen  Vorl\u00e4ufigkeit des Eindruckes und der Tatsache, da\u00df Literatur f\u00fcr mich &#8211;  ein zwar immer ernster genommenes, aber irgendwie noch in den  Kinderschuhen steckendes &#8211; Hobby ist, f\u00fchle ich mich zu einer Kritik  kaum berufen. Ich m\u00f6chte nur meine Eindr\u00fccke schildern.<\/p>\n<p>Zum ersten zum Konzept. Das gef\u00e4llt mir sehr, trifft meines Erachtens  auch Tendenzen unserer Zeit: die Angst vor oder \u00fcberhaupt die  M\u00f6glichkeit eines weltinternen Allherrschers, der auf ein menschliches  Ma\u00df zur\u00fcckgeholt werden soll, und das mit der Liebe. F\u00fcr Faustopheles  z\u00e4hlt nur noch er selbst, sein Streben, seine Kategorien. Dahinein  passen sehr gut seine Kirchenkritik (wobei ich nicht glaube, da\u00df  Faustopheles wirklich Atheist ist) seine Unempfindsamkeit gegen\u00fcber Leid  und Katastrophe.<\/p>\n<p>Was mir auch gef\u00e4llt ist die Art, in der Sie die moderne Technik in das Werk einflechten.<\/p>\n<p>Der Traum der Femina, wieder Mutter zu sein, ist zu Recht ein Spiegel  f\u00fcr heutiges, verdorrendes Familienverst\u00e4ndnis, in dessen Mittelpunkt  immer mehr die Lustbefriedigung zu r\u00fccken scheint. Auch das Ghetto  scheint mir ein passender Ort. Was mir pers\u00f6nlich aber nicht gef\u00e4llt ist  die Betonung dieses Ortes in den Szenen\u00fcberschriften: Ghetto &#8211; Platz im  Ghetto &#8211; Ghettohaus &#8211; Ghettostra\u00dfe. Es wirkt f\u00fcr mich als etwas  gewollte Abkehr von Goethes Titeln, der es aber im Zusammenhang nicht  bedarf, da der Schauplatz aus der Handlung klar wird.<\/p>\n<p>Um nochmals auf Faustopheles zur\u00fcckzukommen. Er ist bei Ihnen Rassist.  Das h\u00e4tte er nicht unbedingt sein m\u00fcssen, pa\u00dft aber dennoch zu ihm. Was  mich st\u00f6rt ist folgendes: Ein Mensch, der im Bereich WELT und Universum  denkt, der sich selbst zum Allherrscher aufschwingen will, der ist  notgedrungen Feind aller. Ihr Faustopheles ist aber spezifischer  Judenhasser. Damals wie heute ist Rechtsextremismus von diesem  Spezifikum abger\u00fcckt; es gibt nur noch Ausl\u00e4nderhass. Diese irgendwie  beschr\u00e4nkte Weise des Faustopheles wirkt mir wie ein (nicht n\u00f6tiger)  Anachronismus.<\/p>\n<p>Ein Letztes: Ich bewundere die Art, in der Sie den Versklang Goethes  beibehalten, aber mit so anderem Inhalt gef\u00fcllt haben. Etwas schwer  verst\u00e4ndliche Wendungen und Konstruktionen sind dabei in Kauf zu nehmen.<\/p>\n<p>Das sind schlaglichtartig meine Gedanken zu Ihrem Werk, f\u00fcr das ich Ihnen noch alles Gute w\u00fcnsche,<\/p>\n<p>Ihr Maximilian von F\u00fcrstenberg.<\/p>\n<p>Tipp:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.zusatzkrankenkasse.info\/\">Zusatzkrankenkasse<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-22","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-Rezensionen"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.rudolf-stirn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.rudolf-stirn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.rudolf-stirn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rudolf-stirn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rudolf-stirn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.rudolf-stirn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23,"href":"http:\/\/www.rudolf-stirn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22\/revisions\/23"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.rudolf-stirn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rudolf-stirn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rudolf-stirn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}